Dialog statt Hassdebatten

Aktuell werden in der öffentlichen Diskussion um verschiedene naturmedizinische Therapieformen deren Chancen und Risiken nicht faktenbasiert abgewogen, um eine bestmögliche Gesundheitsversorgung im Sinne einer Integrativen Medizin zu schaffen. Vielmehr lässt sich beobachten, dass sich Teile der Medien und der Politik auf einen Feldzug gegen alles begeben haben, das nicht mit Operationen oder chemischen Arzneimitteln zu tun hat. Offenbar gibt es Interessengruppen, die eine schulmedizinische Monokultur etablieren wollen, die weder hilfreich ist, noch von der Mehrheit der Bevölkerung gewünscht wird. Die beliebteste Zielscheibe für Polemik und Shitstorms bilden zurzeit die Homöopathie und der Berufsstand des Heilpraktikers. Immer wieder erscheinen Zeitungsartikel, Fernsehdokumentationen und Onlinepublikationen, die die Homöopathie als Placebo-Therapie diffamieren und alle Heilpraktiker als Gefahr für die Volksgesundheit einstufen. Flankiert wird diese Medienkampagne von einer Unzahl Postings in den sozialen Medien, die weit entfernt von einer sachlichen Debatte einen Hass auf alles, was nicht Schulmedizin ist, zum Ausdruck bringen. Unter dem Deckmantel des Patientenschutzes werden Fronten geschaffen und Hass gesät, wo im Sinne einer bestmöglichen Therapie eigentlich Kooperation und Dialog stattfinden müssten. Weil’s hilft! will diesen Dialog vorantreiben – im Sinne der Patient*innen. Denn die fordern schon lange: miteinander statt gegeneinander.

Wissenschaft statt Esoterik?

Analysiert man die konkreten Vorhaben und Gesetzesvorschläge der Homöopathie-Kritiker, wird schnell deutlich, dass das Bashing gegen Globuli nur die Spitze des Eisberges ist. Im Namen einer evidenzbasierten Medizin werden auch Akupunktur, Osteopathie und andere traditionelle Verfahren als unwirksam, gefährlich und teuer beschrieben, weswegen die gesamte Naturmedizin entweder verboten oder zumindest in ein Nischendasein auf dem Wellnessmarkt gedrängt gehöre. Als Hauptargument führen die Verfechter einer dogmatischen Schulmedizin zumeist „die Evidenz bzw. die Wissenschaft“ ins Feld. Sie konstruieren eine Gegenüberstellung von angeblich bestens erforschten konventionellen Therapien auf der einen Seite und wissenschaftlich widerlegter Esoterik auf der anderen Seite. Wer sich mit der Studienlage auseinandersetzt, stellt aber schnell fest, dass diese einfache Schwarz-Weiß-Malerei der Wirklichkeit nicht gerecht wird. So ist beispielsweise mittlerweile durch umfangreiche Untersuchungen belegt, dass viele Chemotherapien längst nicht immer einen Nutzen haben [1][2][3] dass diverse Psychopharmaka nicht besser als Placebo wirken [4], ja sogar die Selbstmordrate deutlich erhöhen [5], und dass Säureblocker zwar nicht gegen Sodbrennen helfen [6], dafür aber mit einem deutlich erhöhten Risiko für Magenkrebs in Verbindung stehen [7]. Weitet man den Blick von diesen Spezialfällen hin zur wissenschaftlichen Fundierung ganzer medizinischer Fachgebiete, macht sich Ernüchterung breit: Nur 11 Prozent der Behandlungsleitlinien zu Herz-Kreislauferkrankungen etwa basieren auf methodisch hochwertigen Studien [8], in der Onkologie sind es gerade einmal 6 Prozent [9]. Zum Schluss die Vogelperspektive: Insgesamt sind lediglich 4 Prozent aller konventionellen Therapien so gut untersucht, dass keine weitere Forschung nötig scheint; bei gut der Hälfte steht noch nicht einmal fest, ob sie eher nützlich oder eher schädlich sind [10]. Seltsamerweise erwähnen die selbsternannten Hüter der Wissenschaft auf Seiten der Schulmedizin nie, dass nur ein Bruchteil der angewandten Therapien durch hochwertige Studien abgesichert ist. Stattdessen verweisen sie beständig auf angebliche Gefahren der Naturmedizin und fordern im Namen einer evidenzbasierten Medizin (EbM) eine Absicherung durch Studien, die fast nirgends zu finden ist.

Des Weiteren werden die existierenden Forschungsbefunde zu Naturheilkunde, Homöopathie & Co. in der öffentlichen Debatte nicht zur Kenntnis genommen oder verzerrt dargestellt. Zu verschiedenen komplementären Behandlungsmethoden liegt mittlerweile eine Fülle klinischer Studien vor, die mindestens in eine positive Richtung deuten, wenn nicht gar bereits die flächendeckende Integration in die Gesundheitsfürsorge rechtfertigen. Dies gilt z. B. für die Akupunktur [11], die Misteltherapie [12], und auch für die Homöopathie [13]. So genau nehmen es einige Vertreter der evidenzbasierten Medizin mit der Wissenschaft also doch nicht, wenn sie sich lautstark öffentlich für eine reine Schulmedizin ohne Naturmedizin einsetzen.

 

Die Medizin der Zukunft ist integrativ!

Gesund macht, nach allem, was wir aus jahrtausendelanger Erfahrung und moderner Forschung wissen, eine bunte Mischung verschiedener Behandlungsformen, die jedem Menschen die freie Wahl seiner Therapie überlässt und ohne Scheuklappen versucht, die jeweils beste Kombination von Schulmedizin und Naturmedizin für den einzelnen Menschen zu finden. Die Medizin der Zukunft ist integrativ. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam diese zukunftsfähige Medizin gestalten. Dafür braucht es Fürsprecher der Patienten*innen im öffentlichen Diskurs, öffentliche Forschungsgelder und die richtigen politischen Weichenstellungen. Seien Sie deshalb Teil unserer Bewegung, weil’s hilft!             

 

Links: 

[1] BMJ Talk Medicine: Cancer drugs, survival, and ethics
[2] Artikel: The contribution of cytotoxic chemotherapy to 5-year survival in adult malignancies
[3] BMJ Talk Medicine: There is no clear evidence that most new cancer drugs extent or improve life
[4] Meta-Analyse: Initial Severity and Antidepressant Benefits
[5] Reanalyse: Newer-Generation Antidepressants and Suicide Risk in Randomized Controlled Trials
[6] Meta-analysis of the efficacy of proton pump inhibitors for the symptoms of laryngopharyngeal reflux
[7] Studie: Long-term proton pump inhibitors and risk of gastric cancer development after treatment for Helicobacter pylori
[8] Scientific evidence underlying the ACC/AHA clinical practice guidelines
[9] Level of scientific evidence underlying recommendations arising from the National Comprehensive Cancer Network clinical practice guidelines
[10] Mapping the Cochrane evidence for decision making in health care
[11] www.evidencebasedacupuncture.org
[12] Wissenschaftliche Informationen zur Misteltherapie
[13] Stand der Homöopathieforschung: Mittel und Wirkweise