18. November 2020 - Neben der Haut, die wir im ersten Teil unserer Immunsystem Serie vorgestellt haben, spielen Schleimhäute bei der körpereigenen Abwehr eine große Rolle. In den Augen, im Mund, im Rachen: Schleimhäute durchziehen den gesamten Körper und schützen vor Eindringlingen und Schadstoffen. Der Schleim, der darin gebildet wird, hält Keime davon ab, sich darauf anzusiedeln.

Die äußere Körperoberfläche wird von Haut bedeckt, die Innenseite der Hohlorgane, wie Lunge oder Magen von Schleimhaut. Zudem geht an allen Körperöffnungen die Haut in Schleimhaut über. Schleimhäute haben ebenso wie die Haut auch eine Barrierefunktion. Sie schützen im Zusammenspiel mit selbstgebildetem Schleim und Teilen des Immunsystem.

Spezifisch für Schleimhäute, die in der Fachsprache auch als Mukosa bezeichnet werden, ist die Schleimbildung. Die zähflüssige organische Absonderung (mucus) schützt üblicherweise die Organoberflächen vor Austrocknung, Abrieb und Fremdpartikeln. Siedeln sich Krankheitserreger oder Fremdstoffe auf den Schleimhäuten an, reagiert das Immunsystem mit einer Reihe von Abwehrmechanismen, unter anderem der vermehrten Bildung von Schleim. Die nervigen Symptome bei einer Erkältung, wie Husten und Schnupfen werden nicht von den Viren selbst hervorgerufen. Es sind die notwendigen Reaktionen des Immunsystems, an dem die Schleimhäute beteiligt sind.

Immunreaktionen auch direkt in Schleimhäuten

Schleimhaut befindet sich unter anderem in Nase, Speiseröhre, Magen, Darm, Luftröhre, Bindehaut des Auges und der Gebärmutter. Jede Schleimhaut besitzt spezielle Funktionen: Die Schleimhaut der Speiseröhre muss die Nahrung transportieren, die der Nase schützt vor Keimen und die im Magen vor der körpereignen Magensäure. Zudem dienen die gut durchbluteten Schleimhäute dem Transport bestimmter Moleküle, was sie sowohl aufnahme- als auch abgabefähig macht.

Prinzipiell bestehen Schleimhäute aus drei Schichten, die wegen der verschiedenen Funktionen spezifisch aufgebaut sind. Epithelschicht und Muskelschicht werden durch eine Schicht aus Bindegewebe zusammengehalten. Das Epithel kann einschichtig wie im Darm oder mehrschichtig wie im Mund sein. Die Schicht mit dem Bindegewebe, die auch als Eigenschicht bezeichnet wird, enthält oftmals Drüsen, die den Schleim bilden und auf diese Weise die Schleimhaut feucht hält. Viele Schleimhäute können sogenannte Immunglobuline bilden. Das sind Stoffe, die zum Immunsystem dazugehören und die Aufgabe haben, Eindringlinge aufzuspüren. Auch Lymphknötchen kommen in diesem Bereich der Schleimhäute vor. Aus diesem Grund gibt es auch den Begriff der Schleimhautimmunität.  

Keine Haare, manchmal aber Härchen

Im Gegensatz zur Haut findet man auf Schleimhäuten weder Haare noch eine Hornschicht. Auf den Schleimhäuten der Atemwege befinden sich Flimmerhärchen, sogenannte Zilien. Diese schlagen wellenartig hin und her. So sollen unerwünschte Stoffe noch schneller nach außen befördert werden.

Schleimhäute haben sich je nach ihrer Funktion spezialisiert. Ihre Würde man alle Schleimhäute eines Körpers flach nebeneinanderlegen, würde diese eine Fläche von rund 600 Quadratmetern einnehmen. Den größten Teil nimmt mit rund 400 Quadratmetern die Darmschleimhaut ein. Kein Wunder, denn der Darm muss sich durch die tägliche Nahrungsaufnahme mit einer echten Flut von Stoffen aus der Umwelt auseinandersetzen.

Quasi an vorderster Front

Zusammen mit der Haut stehen Schleimhäute innerhalb der Abwehr an vorderster Front. Sie sind die wichtigsten Kontaktorgane zu Umwelt. Werden sie verletzt oder beschädigt, dann müssen andere Teile des Immunsystems aktiviert werden. Abwehrzellen sitzen oftmals direkt hinter den Schleimhäuten.

Die Gesunderhaltung der Schleimhäute hängt vor allem mit einem gesunden Lebensstil zusammen. Viel Bewegung an frischer Luft, eine abwechslungsreiche und pflanzenbasierte Ernährung, guter und ausreichender Schlaf, der Verzicht aufs Rauchen und ein mäßiger Alkoholkonsum sind dabei wesentlich. Hält man sich lange in warmer, trockener Heizungsluft auf, dann sollte man besonders viel trinken. Nur durch einen ausgeglichenen Wasserhaushalt im Körper kann man die Schleimbildung in den Schleimhäuten ohne Unterbrechung aufrechterhalten.