13.Juli 2021 - Die Regeneration nach einer Covid-19-Erkrankung kann ein langwieriger Prozess sein. Verschiedene Beschwerden wie Atemnot, Konzentrationsstörungen und bleierne Erschöpfung können auch noch Monate nach der Infektion mit Sars-CoV-2 bestehen. Diese sogenannten postviralen Beschwerden wurden von Patient*innen selbst als Long-Covid beschrieben und Betroffene haben sich über verschiedene Social-Media-Kanäle sowie in Selbsthilfegruppen weltweit darüber ausgetauscht.

Damit ist dieses postvirale Syndrom die erste Krankheit, die durch Patient*innen selbst benannt und daraufhin erst in die medizinische Forschung integriert wurde. Während der ersten Monate der Pandemie hat sich ein Netzwerk an Betroffenen gebildet, aus dem ein patientengeführtes Forschungsteam hervorgegangen ist, dass die Symptome nach einer Covid-19-Erkrankung in Umfragen erfasst hat. Dies geschah, bevor die anhaltenden Beschwerden nach überstandener Infektion mit Sars-CoV-2 in der Medizin überhaupt als relevanter Faktor angesehen wurden.

Anhaltende Beschwerden nach Covid-19

Der Umgang mit anhaltenden Beschwerden nach einer COVID-19 Erkrankung rückt seit Juli 2020 verstärkt in den Fokus: Patient*innen, die laut klinischen Befunden als genesen gelten, klagen über anhaltende oder neu auftretende Symptome, die die Lebensqualität oftmals stark einschränken. Zu den häufigsten Symptomen zählen laut einer Metaanalyse aus diesem Jahr chronische Erschöpfung, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Haarausfall und Atemnot beziehungsweise Kurzatmigkeit. Doch auch psychische Beschwerden, wie Angststörungen und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, können auftreten.

Eine klare Definition des Post-Covid-Syndroms existiert in der gegenwärtigen Medizinforschung noch nicht. Doch es gibt bereits verschiedene Ansätze, die Beschwerdebilder zu systematisieren. Erstens werden die auftretenden Beschwerdebilder in Zeitintervalle eingeteilt, wobei Symptome, die ab 5 Wochen bis zu 24 Wochen nach Erkrankung bestehen, unter das Post-Covid-Syndrom gefasst. Zweitens werden die Beschwerden in der Medizinforschung nach Symptomgruppen aufgeteilt, wobei die Komplexität des Post-Covid-Syndroms deutlich wird: Neurokognitive und psychologische Beschwerden wie Gehirnnebel, Schwindel und Schlafstörungen; respiratorische Symptome wie Husten und Kurzatmigkeit; Schmerzen des Bewegungsapparats und auch anhaltende Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen gehören vor allem dazu. Von ihnen berichteten die meisten Patient*innen als anhaltende Symptomatiken nach einer Covid-19 Erkrankung berichtet. 

Die Behandlung dieses komplexen postviralen Syndroms stellt Ärzt*innen vor große Herausforderungen, da bislang noch keine Therapieansätze existieren, die speziell auf Post-Covid ausgerichtet sind. Patient*innen selbst stellen in Absprache mit den aufnehmenden Rehabilitationseinrichtungen und den behandelnden Ärzt*innen verschiedene Interventionen zusammen, die der Regeneration förderlich sind.

Wirksames aus der Naturheilkunde bei Post-Covid

Zur Selbsthilfe bei postviralen Beschwerden nach Covid-19 bieten sich verschiedene Maßnahmen aus der Naturheilkunde an, die bereits bei der Regeneration von anderen viralen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wurden. Im Fokus steht die Förderung der Regeneration und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Kneippsche Anwendungen, Pflanzenheilkunde und Interventionen aus der Mind-Body-Medizin fördern die Regeneration von Betroffenen auf physischer und psychischer Ebene. Ginkgo und ein kalter Gesichtsguss können bei Konzentrationsschwierigkeiten hilfreich sein. Bei Magen-Darm Beschwerden wie Durchfall und Schmerzen können Heilerde und verschiedene Teesorten, beispielsweise Kamille- und Pfefferminztee zur Linderung eingesetzt werden. Zur unterstützenden Behandlung von Atemnot oder Kurzatmigkeit sind Atemübungen empfehlenswert, die täglich ausgeführt werden sollten.

Naturheilkundliche Interventionen werden bereits in verschiedenen Kliniken zur unterstützenden Therapie beziehungsweise als Rehabilitationsmaßnahmen eingesetzt. Kneippsche Anwendungen und therapeutische Gespräche werden beispielsweise in Bad Wörrishofen erfolgreich bei Patient*innen, die unter dem Post-Covid-Syndrom leiden, eingesetzt.

Forschung auf Augenhöhe

Patient*innen, die unter anhaltenden Beschwerden nach einer Covid-19 Erkrankung leiden, sind in ihrer Lebensführung stark eingeschränkt und das Wochen und teilweise Monate nachdem die Infektion überstanden ist. Dies gilt insbesondere für diejenigen, deren Beschwerden dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) gleichen. Ansätze zu Rehabilitationsmaßnahmen und Behandlungen der verschiedenen Beschwerdebilder stehen noch ganz am Anfang. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang kaum Erkenntnisse zur Behandlung des postviralen Syndroms nach einer Infektion mit Sars-CoV-2. Für die Medizinforschung besteht momentan die große Chance eine Forschung auf Augenhöhe zu etablieren und von dem Wissen der Patient*innen zu profitieren, die Wege gefunden haben, mit den postviralen Beschwerden nach einer Covid-19 Erkrankung umzugehen.