30.Juni 2021 - Das Robert-Koch-Institut weist aktuell mehr als 3,6 Millionen Menschen als Covid-Genesene aus. Doch das bedeutet nicht, dass diese Personen keine gesundheitlichen Probleme mehr haben. Es heißt nur, dass sie nicht mehr infektiös sind. Einige derjenigen, die sich mit Sars-CoV- infiziert hatten, klagen jedoch noch wochen- oder sogar monatelang über Krankheitszeichen: Abgeschlagenheit, Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit sind nur einige davon. Das trifft sogar auf eine Reihe von denen zu, die nur leichte Krankheitssymptome durch die Sars-CoV-2-Infektion spürten.

Wie es zu Long-Covid, das auch als Post-Covid bezeichnet wird, kommt, war bisher unklar. Forscher*innen des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin (MPL) und des Deutschen Zentrums für Immuntherapie in Erlangen haben nun einen möglichen Erklärungsansatz für Long-Covid im "Biophysical Journal" vorgestellt. Demnach könnten Verformungen der Blutkörperchen für die Long-Covid-Symptome verantwortlich sein.   

Das Forscherteam untersuchte mit einem neuen, extra dafür entwickelten Verfahren mehr als vier Millionen Blutkörperchen. Diese stammten von 17 akut an Covid-19 erkrankten Patienten, 14 Genesenen und 24 gesunden Probanden. "Dabei haben wir deutliche und langanhaltende Veränderungen der Zellen messen können – sowohl während einer akuten Infektion und auch noch danach", berichtet Professor Guck, geschäftsführender Direktor des MPL. Die Wissenschaftler konnten sehen, dass sich Größe und Verformbarkeit der roten Blutkörperchen von Erkrankten von denen der Gesunden unterschieden. Das deutet auf eine Schädigung dieser Zellen hin. 

Rote und weiße Blutkörperchen betrachtet

Rote Blutkörperchen, die so geschädigt sind, können den Forscher*innen zufolge die Erklärung für Thrombosen und Embolien der Lunge sein. Beides sind Komplikationen, die bei einigen Covid-19-Patient*innen auftreten. Durch solche Verformungen verschlechtere sich die Blutzirkulation und mit ihr auch die Sauerstoffzufuhr, so das Forscherteam.  

Auch verschiedene Arten von Abwehrzellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, zeigten sich bei den Covid-19-Patienten deutlich weicher, im Vergleich zu denen von gesunden Personen. Das ist ein Hinweis auf eine starke Immunreaktion. Die beobachteten Veränderungen der Blutkörperchen  waren bis zu sieben Monate bei einer Corona-Erkrankung nachweisbar. Das könne auch die Long-Covid- Symptome wie Atemnot, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder auch den Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns erklären, heißt es in der Mitteilung des Max–Planck-Instituts

Denkbar für die Forschenden sei, das neu entwickelte Analyseverfahren, die sogenannte Verformungszytometrie, in Zukunft auch zur schnellen, sicheren und günstigen Diagnose einzusetzen. Die große Hoffnung der Forscher*innen ist, damit auch ein mögliches Frühwarnsystem für künftige Pandemien durch bisher noch unbekannte Viren entwickelt zu haben. 

Carstens-Stiftung stellt Fördermittel bereit

Um weiter Forschung zu ermöglich und zu klären, welche Rollen Naturheilkunde und Komplementärmedizin bei der Behandlung von Long-Covid einnehmen können, hat die Karl und Veronica Carstens-Stiftung Fördermittel bereitgestellt. Sie sollen die Forschung zu pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Therapie- sowie Rehabilitationsmaßnahmen für Patient*innen, die unter bleibenden Beeinträchtigungen nach COVID-19 leiden, ermöglichen.

Im Rahmen der Förderinitiative "Naturheilkunde und Komplementärmedizin beim Post-Covid-Syndrom", kurz mit "NaKoPoCo" bezeichnet, haben Wissenschaftler*innen mit ausgewiesener Expertise in naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Verfahren, die an universitären oder außeruniversitären gemeinnützigen Forschungsinstituten in Deutschland tätig sind, die Möglichkeit, die Fördermittel zu beantragen.