20. Dezember 2021 - Jeder, der sich bisher nicht gegen Covid-19 impfen ließ, hat einen Grund. Dennoch könnte sich ein Teil dieser Menschen vorstellen, unter bestimmten Umständen doch noch impfen zu lassen. Das ist das Ergebnis der aktuellen, repräsentativen Gesundheitsmonitor-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH), die von NielsenIQ im Dezember 2021 durchgeführt wurde.

Demnach geben 40 Prozent der bislang nicht gegen das Coronavirus geimpften Menschen über 18 Jahren in Deutschland geben an, sich unter keinen Umständen gegen das Virus impfen lassen zu wollen. 30 Prozent hingegen seien bereit, sich impfen zu lassen, wenn ein Totimpfstoff in Deutschland zugelassen würde. Jeweils 14 Prozent erwägen die Impfung, wenn eine Prämie angeboten würde, oder, wenn für eine Nicht-Impfung Geldstrafen verhängt würden. Der Gesamtanteil der bisher Ungeimpften über 18 Jahre in Deutschland wird der Mitteilung zufolge mit rund 14 Prozent angegeben.

Verschiedene Gründe, vergleichbare Einstellungen

Auch bei der Betrachtung der Gründe gegen die Impfentscheidung ergibt sich ein differenziertes Bild. So haben 58 Prozent Vorbehalte gegen die aktuell verfügbaren Impfstoffe und 35 Prozent zweifeln an der Notwendigkeit einer Impfung, um die Pandemie zu beenden. 23 Prozent der Ungeimpften geben grundsätzliche Vorbehalte gegen Impfungen an, unabhängig vom Coronavirus.

Gleichzeitig kann kein Zusammenhang zwischen der Nutzung integrativer Medizin, wie Homöopathie und Naturmedizin, und der Impfquote beziehungsweise der Einstellung zur Corona-Pandemie in der deutschen Bevölkerung festgestellt werden. So unterscheiden sich Personen, die angeben, in den letzten 24 Monaten homöopathische Arzneimittel verwendet zu haben, in ihrem Verhalten bei zentralen Fragen nicht vom Rest der Bevölkerung. Die Impfquote liege bei Homöopathie-Anwender*innen mit 83 Prozent fast gleichauf mit den 85 Prozent von Nicht-Anwender*innen.

Zudem kann festgestellt werden, dass Homöopathie-Anwender*innen mit einem Anteil von 74 Prozent ähnlich viel Verständnis für die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus aufbringen, wie Nicht-Anwenderinnen (78 Prozent). Jeweils 83 Prozent beider Gruppen gaben an, sich gleichermaßen freiwillig und unabhängig von staatlichen Vorgaben eingeschränkt zu haben. Auch bei der Einschätzung zum weiteren Vorgehen, um aus der Pandemie herauszufinden, herrscht Einigkeit. 80 Prozent der Homöopathie-Anwender*innen geben eine möglichst hohe Impfquote in Deutschland als Voraussetzung dafür an - bei den Nicht-Anwender*innen sind das 81 Prozent. 

Gleiche Einschätzungen vorherrschend

"Wir konnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Präferenz für homöopathische Arzneimittel und dem Impfstatus, der Einschätzung der Corona-Situation oder der Beurteilung von einzelnen Maßnahmen feststellen", fasst Sandra Bräunlein-Reuß, die bei NielsenIQ verantwortlich für die Studie war, die Ergebnisse zusammen.

"Dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland unabhängig von ihrer Einstellung zu bestimmten Therapieformen zur gleichen Einschätzung der pandemischen Lage gelangt, ist ein gutes Zeichen", ordnet Dr. Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des BAH die Ergebnisse ein. "Die Messungen unterstreichen, dass die Gesellschaft in dieser Krisensituation enger zusammensteht, als es manchmal den Anschein macht." Grundsätzlich gelte es bei Diskussionen über die Rolle integrativer Medizin zu bedenken, dass die Akzeptanz für komplementäre Heilmethoden in der Bevölkerung ungebrochen hoch sei. Dies legen auch die Ergebnisse aus der Gesundheitsmonitor-Befragung im Oktober nahe. 85 Prozent der Befragten gaben damals an, das Nebeneinander von Schulmedizin und integrativer Medizin zu befürworten.