Eine der Hauptaufgaben von Ärzt*innen ist es, ihren Patient*innen Befunde und Testergebnisse mitzuteilen und daraus resultierende Therapiemöglichkeiten anzubieten. So die Theorie. In der Praxis jedoch kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Unverständnis. Eine Kommunikation, die so gestört ist, führt bei allen Beteiligten nicht nur zu Stress, sondern könnte beispielsweise das Verhalten von Patient*innen in Bezug auf die Einhaltung der Therapievorgaben negativ beeinflussen.

Ein Forscherteam um Professor Peter Borusiak von der Universität Witten/Herdecke hat sich genauer angeschaut, wie bestimmte Wörter von bestimmten Patient*innen verstanden werden. Dafür wählten sie insgesamt 1.131 Menschen aus, die die Bevölkerung Deutschlands im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Bildungsstand repräsentieren, schreiben die Forschenden in ihrer Mitteilung. Die Proband*innen wurden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt und gebeten, online einen Text zu lesen, in dem die Ergebnisse eines Atemtests beschrieben worden waren.

Ein positiver Test ist nicht immer gut

Konkret benutzten die Forscher*innen in ihren Texten einerseits die medizinischen Bewertungen „positiv“ und „negativ“. Diese beiden Wörter, die im medizinischen Kontext oft als Ergebnis bei Tests benutzt werden, werden umgangssprachlich oftmals anders eingesetzt. In einem zweiten Text wurden diese deshalb durch die Wörter „auffällig“ und „unauffällig“ ersetzt.  „Ein positiver HIV- oder Corona-Test ist beispielsweise für die Betroffenen meist alles andere als positiv im umgangssprachlichen Sinn“. Und ob ein positiver Schwangerschaftstest seitens der werdenden Mutter tatsächlich positiv eingeordnet wird, vermag nur sie selber anhand ihrer persönlichen Situation einzuschätzen“, erläutert Borusiak.

Die Forschenden stellten bei der Auswertung ihrer Daten fest, dass sich eine Vereinfachung der Sprache insgesamt zu einem besseren Verständnis bei Patient*innen führt, das gilt vor allem für Menschen mit einem niedrigem Bildungsgrad. „In erster Linie profitieren hierbei Menschen ohne Schulabschluss und mit einem eher niedrigen Bildungsgrad – eine Bevölkerungsgruppe, die ohnehin im medizinischen System benachteiligt ist“, so Borusiak. „Die Wahrscheinlichkeit für eine korrekte Zuordnung von Befunden stieg insbesondere in bildungsferneren Gruppen. Es hat sich also gezeigt, dass eine Verbesserung der Kommunikation schon durch einfache Maßnahmen bei entsprechender Sensibilisierung erreicht werden kann.“

Die Ergebnisse der Studie wurden bei „ScienceDirect“ veröffentlicht.