Zwischen Einzelinitiativen und politischer Leerstelle
Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz rückt näher. Gesundheitspolitik wird dabei nicht nur bei der Organisation von Krankenhäusern oder beim Umgang mit dem Fachkräftemangel eine wichtige Rolle spielen. Es geht auch um eine grundsätzliche Frage: Wie soll sich die medizinische Versorgung in Zukunft weiterentwickeln?
Ein Thema, das in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Integrative Medizin. Doch wie ist sie in Rheinland-Pfalz derzeit aufgestellt?
Was Integrative Medizin bedeutet
Integrative Medizin verbindet moderne konventionelle Medizin mit qualitätsgesicherten ergänzenden Verfahren. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Behandlung mit einer stärker patientenorientierten Versorgung zu verbinden – etwa durch Prävention, Lebensstilmedizin, Mind-Body-Ansätze oder naturheilkundliche Verfahren.
Dabei geht es nicht um ein „entweder–oder“, sondern um ein verantwortungsvolles Zusammenspiel verschiedener medizinischer Ansätze.
Siehe dazu auch unser Fact Sheet zur Integrativen Medizin.
Erste Ansätze sind vorhanden
Auch in Rheinland-Pfalz gibt es bereits Einrichtungen, in denen integrative medizinische Ansätze eingesetzt werden: An der Universitätsmedizin Mainz bietet die Frauenklinik beispielsweise eine Sprechstunde für Integrative Medizin an. Ergänzend zur konventionellen Behandlung kommen dort unter anderem Phytotherapie, Akupunktur oder Mind-Body-Ansätze zum Einsatz. Weitere Angebote finden sich etwa in spezialisierten Kliniken wie der Klinik Lahnhöhe in Lahnstein, die insbesondere in der psychosomatischen Medizin ganzheitliche Therapiekonzepte verfolgt.
Diese Beispiele zeigen: Integrative Medizin ist auch in Rheinland-Pfalz Teil der Versorgungsrealität – bislang jedoch vor allem punktuell.
Kein struktureller Schwerpunkt
Während andere Bundesländer gezielt Strukturen für Integrative Medizin aufgebaut haben, ist sie in Rheinland-Pfalz bislang kein eigenständiger Schwerpunkt der Gesundheitsforschung oder Versorgung. Forschung und Praxis existieren vor allem in einzelnen Projekten oder klinischen Bereichen, nicht als systematisch entwickeltes Feld.
Ein blinder Fleck in der Politik
Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: Der Begriff Integrative Medizin taucht bislang kaum explizit auf.
Gleichzeitig greifen viele Parteien Themen auf, die eng mit ihr verbunden sind: etwa Prävention, wohnortnahe Versorgung, interprofessionelle Zusammenarbeit oder Innovation in der Medizin.
Integrative Medizin wird also indirekt berührt, aber politisch nicht klar adressiert.
Die eigentliche Frage für Rheinland-Pfalz
Die Beispiele aus dem Land zeigen: Integrative Ansätze existieren bereits. Gleichzeitig fehlt bislang eine strukturelle Verankerung.
Die entscheidende Frage für die kommende Legislaturperiode lautet daher: Soll Integrative Medizin in Rheinland-Pfalz ein punktuelles Zusatzangebot bleiben, oder ein systematisch entwickelter Bestandteil der Gesundheitsversorgung werden?
Warum das relevant ist
Rund 40 % der Erwachsenen in Deutschland leben mit mindestens einer chronischen Erkrankung. Prävention, Lebensstil und patientenzentrierte Versorgung gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung.
Integrative Medizin setzt genau hier an und kann dazu beitragen, bestehende Versorgung sinnvoll zu ergänzen.
Fazit
Rheinland-Pfalz steht bei der Integrativen Medizin an einem frühen Punkt: Erste Ansätze sind vorhanden, eine strukturelle Entwicklung steht noch aus. Die kommende Legislaturperiode bietet die Chance, diese Entwicklung aktiv zu gestalten.
