Wie wählt man, wenn einem ganzheitliche Gesundheit wichtig ist? Ein Blick in die Wahlprogramme zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg
24.2.2026. In den vergangenen Wochen haben uns viele Bürgerinnen und Bürger gefragt: „Wie soll man in Baden-Württemberg wählen, wenn einem ganzheitliche Gesundheit, nachhaltige Versorgung, komplementäre Methoden oder Integrative Medizin wichtig sind?“
Diese Frage nehmen wir ernst. Nicht, um Wahlempfehlungen zu geben. Sondern um Transparenz zu schaffen.
Deshalb haben wir die veröffentlichten Wahlprogramme zur Landtagswahl 2026 am 8.3.2026 systematisch daraufhin geprüft, ob Begriffe wie „Integrative Medizin“, „Naturheilverfahren“, „Homöopathie“ oder „Heilpraktiker“ explizit vorkommen – und wie Gesundheit, Prävention und Versorgung insgesamt behandelt werden.
Baden-Württemberg als Hochburg integrativer Ansätze 
Die Frage überrascht nicht: Baden-Württemberg gilt bundesweit als einer der wichtigsten Standorte für Integrative und Komplementäre Medizin:
- universitäre Strukturen und Lehrstühle,
- Forschungsnetzwerke und Modellprojekte,
- eine gewachsene ambulante und klinische Praxislandschaft,
- eine starke gesundheitswirtschaftliche Infrastruktur.
Was hier entstanden ist, ist kein Nischenthema, sondern Teil des Gesundheitsstandorts Baden-Württemberg. Gerade deshalb stellt sich eine berechtigte Frage: Warum spielt ganzheitliche und integrative Versorgung im aktuellen Wahlkampf kaum eine sichtbare Rolle?
Ergebnis unseres Programm-Checks
Neben den im Landtag vertretenen Parteien haben wir auch die veröffentlichten Programme weiterer zur Landtagswahl 2026 antretender Parteien geprüft.
Kurz zusammengefasst:
1. Explizite Nennung von „Integrativer Medizin“, „Homöopathie“ oder „Naturheilverfahren“
In den Wahlprogrammen von Grünen, SPD, CDU, FDP und Linken finden sich keine ausdrücklichen Programmpunkte zur Integrativen Medizin oder zu Naturheilverfahren.
Zwei Parteien formulieren hierzu jedoch explizite Aussagen:
- Die AfD widmet dem Heilpraktikerberuf einen eigenen Abschnitt im Wahlprogramm.
- Die ÖDP bekennt sich in ihrem Wahlprogramm im Kapitel Gesundheit ausdrücklich zu ganzheitlichen Aspekten der Gesunderhaltung und Therapie. Dort wird betont, dass Schulmedizin und Naturheilverfahren sich idealerweise ergänzen und nicht als Konkurrenz verstanden werden sollten.
Darüber hinaus existiert bei der FDP/DVP-Landtagsfraktion ein separates Positionspapier, das Homöopathie und komplementäre Verfahren ausdrücklich behandelt. Dieses Papier ist jedoch kein Bestandteil des eigentlichen Wahlprogramms.
Bei mehreren weiteren antretenden Parteien fanden sich in den veröffentlichten Wahlprogrammen keine expliziten Nennungen der Begriffe „Integrative Medizin“, „Naturheilverfahren“, „Homöopathie“ oder „Heilpraktiker“.
2. Prävention und Gesundheitsförderung
Alle Parteien greifen Gesundheit als Thema auf. Häufige Schwerpunkte sind:
- Sicherung der Krankenhauslandschaft
- Fachkräftemangel
- ambulante Versorgung
- Prävention und Gesundheitsförderung
- psychische Gesundheit
- Gesundheitskompetenz
Prävention wird teilweise sehr deutlich formuliert. Ein expliziter Bezug zu integrativen oder komplementären Versorgungsmodellen findet sich jedoch in den Programmen überwiegend nicht. Aus unserer Sicht bleibt damit ein zentrales Potenzial unberücksichtigt, denn es gibt substanzielle Hinweise darauf, dass komplementäre und eine integrativ angelegte Versorgung einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung vieler der genannten Herausforderungen leisten kann, etwa durch Stärkung der Selbstwirksamkeit, interprofessionelle Zusammenarbeit und präventive Ansätze (siehe dazu auch unser ausführliches Statement zur LTW in BaWü: https://www.weils-hilft.de/images/Kampagne/Statement_zur_LTW_BW_2026.pdf)
Was bedeutet das für Wählerinnen und Wähler?
Für viele Menschen ist ganzheitliche Medizin kein Randthema. Sie betrifft konkrete Fragen:
- Wie wird Prävention strukturell verankert?
- Wie wird Patientensouveränität verstanden?
- Welche Rolle spielen komplementäre Verfahren im System?
- Wie wird Baden-Württemberg als Gesundheitsstandort weiterentwickelt?
Wenn diese Aspekte im Wahlprogramm nicht ausdrücklich benannt werden, entsteht eine Lücke zwischen gesellschaftlicher Praxis und politischer Programmatik.
Das heißt nicht, dass Parteien ablehnend sind. Es heißt nur: Positionen sind bislang kaum explizit formuliert.
Warum Transparenz jetzt wichtig ist
Baden-Württemberg verfügt über reale Strukturen, Forschung und Erfahrung im Bereich Integrative Medizin. Wenn dieses Potenzial im Wahlkampf kaum sichtbar wird, stellt sich eine demokratische Frage: Welche Rolle soll ganzheitliche und integrative Versorgung künftig in der Landespolitik spielen?
Wir als weil’s hilft! sprechen keine Wahlempfehlung aus. Aber wir halten es für legitim, dass Bürgerinnen und Bürger hier Klarheit wünschen. Deshalb fragen wir Kandidierende direkt und dokumentieren ihre Antworten öffentlich – zustimmende wie ablehnende.
Denn Vergleichbarkeit entsteht nicht durch Einigkeit. Sondern durch transparente Positionen.
Einordnung zur Wahlentscheidung
Uns ist bewusst, dass eine Wahlentscheidung immer viele Aspekte umfasst: Wirtschaft, Bildung, Klima, soziale Gerechtigkeit, Sicherheit, Infrastruktur und vieles mehr.
Gesundheitspolitik ist nur ein Teil davon.
Unser Anliegen ist es nicht, andere Themen zu relativieren oder eine Wahlempfehlung auszusprechen. Vielmehr möchten wir zu einem Aspekt Transparenz schaffen, der für viele Menschen im Alltag eine große Rolle spielt, im Wahlkampf jedoch bislang nur begrenzt sichtbar ist.
Wie jede und jeder diese Informationen gewichtet, bleibt selbstverständlich eine individuelle Entscheidung. (Hinweis: Dabei können Tools wie https://www.kandidierendencheck.de/baden-wuerttemberg vielleicht hilfreich sein.)