Grüne BDK bezieht scharfe Position gegen Homöopathie: Signalpolitik ohne Sachbezug.
Die Grünen haben auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz für eine deutlich ablehnende innerparteiliche Positionierung zur Homöopathie gestimmt (wir haben hier berichtet). Die Entscheidung hat keine direkten Auswirkungen auf die Erstattungsfähigkeit in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie verändert also nicht, was Krankenkassen heute erstatten.
Trotzdem setzt der Beschluss ein politisches Signal, das weit über die Partei hinauswirkt. Und dieses Signal ist aus unserer Sicht problematisch.
Eine verkürzte wissenschaftliche Darstellung
Im Beschluss wird Homöopathie unter Verweis auf angeblich eindeutige Evidenz abgelehnt. Dieses Bild ist zu einfach.
Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zeigen positive Effekte in mehreren Indikationsbereichen. Labor- und Tierstudien dokumentieren spezifische Wirkungen. Diese Forschung ist komplex und teilweise kontrovers. Eine politische Positionierung sollte das abbilden statt verkürzen.
Unser Mit-Initiator Stefan Schmidt Troschke sagt dazu: „Wenn Politik komplexe Evidenzlagen auf Schwarz-Weiß reduziert, schadet das dem Vertrauen in wissenschaftsbasierte Entscheidungen. Die Entscheidung der Grünen vereinfacht eine vielschichtige Debatte zu stark.“
Symbolthema statt struktureller Lösungen
Die Entscheidung sendet ein Signal, ohne ein konkretes Problem im Gesundheitssystem zu lösen. Die Grünen entscheiden hier nicht über Erstattung oder Versorgung. Sie entscheiden über ihre Haltung. Diese Haltung lenkt Aufmerksamkeit auf ein Randthema, während zentrale Fragen weiter ungelöst bleiben. Dazu gehören Polymedikation, Prävention, Überdiagnostik, Fachkräftemangel und die Finanzierung der Versorgung.
Spannungsverhältnis zu den eigenen Wurzeln
Viele Menschen, die komplementäre Verfahren nutzen, teilen Grundwerte wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und eine ganzheitliche Sicht auf Gesundheit. Viele davon stehen den Grünen nahe. Der nun beschlossene Kurs hebt sich davon ab und sendet ein irritierendes Signal an diese Wählergruppen.
Wir stehen für Dialog und Sachlichkeit
weil’s hilft setzt sich für ein Gesundheitssystem ein, das wissenschaftliche Qualität, Patientensicherheit und Wahlfreiheit miteinander verbindet. Dazu gehört eine differenzierte Auseinandersetzung mit Evidenz und ein respektvoller Umgang mit Patient:innenerfahrungen.
Wir werden den politischen Prozess weiter aufmerksam begleiten und uns für eine moderne, integrative und patientennahe Gesundheitsversorgung einsetzen.